Schwedische Zeitungsleser erkennen ihre Stärken mithilfe von shapes
Vielen Kandidaten ist die Vorstellung unangenehm, bei ihrem Bewerbungsprozess einen Persönlichkeitsfragebogen bearbeiten zu müssen. Sie befürchten, dass ihr potenzieller Arbeitgeber ihre dunklen Seiten ans Licht bringen möchte. In Schweden wurden just tausende Kandidaten eines Besseren belehrt.
Workmint ist eine Online-Plattform für Rekrutierungsunternehmen sowie für Personen, die sich beruflich verändern möchten. Jobsuchende können ihren Lebenslauf in der workmint Datenbank hochladen und damit einer großen Zahl an Rekrutierungsfirmen und Personalvermittlern zugänglich machen. Personalvermittler haben die Möglichkeit, Lebensläufe von Kandidaten einzusehen und passende Bewerber für sich herauszufiltern oder aber Kandidaten aus ihren Lebenslauf-Datenbanken an andere Personalvermittler weiterzuleiten und somit bei der Besetzung anderer Stellen mitzuwirken.
Am 6. März 2011 erschien in der größten schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter (DN) ein Artikel zum Thema Persönlichkeitsfragebögen und wie diese das Selbstbewusstsein eines Kandidaten stärken können, wenn der Kandidat die Möglichkeit hat, die eigenen Ergebnisse einzusehen. Alle Leser wurden eingeladen, sich unter www.minpersonlighet.se ('meine Persönlichkeit') einzuloggen und den Persönlichkeitsfragebogen shapes von cut-e kostenlos zu bearbeiten. Die 50.000 Mitglieder von workmint bekamen direkten Zugang zum Fragebogen über die Website von workmint mit ihren jeweiligen Login Daten.
Jeder Kandidat, der den Fragebogen vollständig bearbeitet hat, erhielt auf Grundlage der persönlichen Daten einen individuellen Report, der per E-Mail automatisch nur wenige Sekunden nach Beantworten der letzten Frage zugesandt wurde. Die Teilnehmer, die bereits ein Konto bei workmint hatten, konnten nun entscheiden, ob sie ihren Report hochladen und damit mit ihren Lebenslauf den Rekrutierungsfirmen zugänglich machen wollten.
„Die Idee des kostenlosen Angebots ist, dass die Teilnehmer mehr über sich selbst erfahren“, betont workmint Geschäftsführerin Boontariga Pipatanangura. „Sie sind dann besser auf den Bewerbungsprozess vorbereitet. Wir möchten den Kandidaten Einblick in das Bewerbungs- und Testverfahren geben, sie sollen erfahren, was Recruiter abfragen und warum sie es tun. Heutzutage fühlen sich viele Kandidaten unfair behandelt. Nicht alle Unternehmen, die Online Assessment nutzen, haben einen guten Ruf. Es kommt vor, dass die Kandidaten überhaupt kein Feedback zu ihren Ergebnissen erhalten oder die eingesetzten Verfahren unseriös sind und alle möglichen unwissenschaftlichen Fragen z.B. nach dem eigenen Sternzeichen bis hin zu Lieblingstieren enthalten.“
Nur einen Monat, nachdem der Artikel erschienen war, hatten bereits mehr als 4.000 Kandidaten den shapes Fragebogen bearbeitet und ihre Ergebnisse erhalten. „Ich habe ein umfassenderes Bild von meiner Persönlichkeit bekommen und davon, wie ich mich in verschiedenen Arbeitssituationen verhalte“, sagt der 27-jährige Volkswirt Henrik Boström, nachdem er den Online Fragebogen bearbeitet hat. „Mir wurden auch ein paar Dinge bewusst, die ich an mir verändern kann um mich weiterzuentwickeln.“
Mattias Elg, Geschäftsführer von cut-e Schweden, erklärt die Idee hinter dieser Kooperation: „Mit diesem Projekt versuchen wir, ein neues ‚Assessment Paradigma‘ in Schweden zu schaffen. Wir haben in Schweden noch immer eine Assessment-Tradition, die geprägt ist von der Angst der Kandidaten, Testverfahren durchführen zu müssen. Sie glauben, dass es dabei nur darum geht, ihre dunklen Seiten ans Licht zu bringen. Wir möchten gerne diese Sicht verändern und den Kandidaten beibringen, dass Testergebnisse dazu dienen können, den zukünftigen Arbeitgebern die eigenen Stärken, Kompetenzbereiche und Potenziale aufzuzeigen.“
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